30 Jahre Team Kornkammer – Ein Hofportrait

Veröffentlicht von Marie Welke am

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30 Jahre Team Kornkammer – Ein Hofportrait

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Das Team Kornkammer

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Im Südosten des Ruhrgebietes liegt die zu Witten gehörende Hofstelle vom Team Kornkammer. Neben den Betriebsleitern Dirk Liedmann, Bernhard und Stefan Pawliczek bewirtschaften vier Hauptangestellte den Biolandhof, unterstützt von sechs Mini-Jobbern. 

Ein Schwerpunkt bildet der Getreide- undder  Kartoffelanbau. Seit 2020 werden auch Raps, Senf und Mohn angebaut. Den Großteil der Getreideerzeugnisse nehmen Bäckereien aus der Region ab, Weiteres wird über den Großhändler Weiling, kleinere Bioläden und freitags über die Hofstelle verkauft. Zum Betrieb gehören eine Senfmühle, eine Getreideanlage, eine Ölmühle und eine Verpackungsanlage. Das Getreideschälen und -mahlen wird von kooperierenden Mühlen übernommen. Die Hoftüren der Kornkammer sind offen für Kund:innen und Interessierte. Doch es hat Jahrzehnte gebraucht, bis der mittlerweile 280 ha große Ackerbaubetrieb zu dem wurde, was er heute ist.

Ein Blick zurück

Die Geschichte der Kornkammer nimmt ihren Anfang 1987 mit einer großen Idee und 1,5 ha Grünland:
eine ökologische landwirtschaftliche Wertschöpfung zu schaffen, deren Mehrwert in landwirtschaftlichen Händen bleibt. Kartoffeln und Winterweizen sind die ersten Kulturen, die Liedmann unter höchst abenteuerlichen Bedingungen auf seiner Pachtfläche anbaut. Das Gelände ist ungünstig für Ackerbau, der Boden steinig und nass. Hinzu kommt, dass Liedmann landwirtschaftlicher Quereinsteiger ist und viele Tätigkeiten zunächst in einem learning by doing-Modus verrichtet.

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Doch er findet viele Abnehmer:innen für seine Erzeugnisse und die Kornkammer entwickelt sich bis 1993 zu einem typischen Bio-
Gemischtbetrieb.

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1996 beginnt die bis heute wichtige Zusammenarbeit mit dem konventionellen Landwirt Bernhard Pawliczek: Die Kornkammer Haus Holte GbR wird gegründet. Der Betrieb wächst in großen Sprüngen, im Einklang mit dem Bedarf von Erzeugnissen, nachgefragt etwa von den umliegenden Bäckereien. Über die Jahre kommen weitere Mitarbeitende dazu, welche Liedmann und Pawliczek in der Gestaltung und Weiterentwicklung des Betriebs unterstützen.

Ab 2000 konzentriert sich das Team auf den Anbau von Kartoffeln und Getreide. Die Arbeit der Kornkammer wird in der Region nicht nur
von Kund:innen geschätzt, sondern auch von Flächeneigentümer:innen, die von sich aus auf das Team Kornkammer zugehen und faire Pachtangebote machen. In Zeiten von exorbitant steigenden und für viele Landwirt:innen nicht mehr bezahlbare Bodenpreisen ist das eine besondere Ausnahme. Den Kontakt zu den Menschen, die mit der Kornkammer verbunden sind, pflegt das Team seit Betriebsgründung ebenso engagiert wie seine Äcker.

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Große Herausforderungen der letzten Jahre teilt die Kornkammer mit vielen anderen bäuerlichen Betrieben:
niedrige Erzeugerpreise, dramatisch steigende Betriebskosten, Extrem-wetterverhältnisse, der Rückgang kleinerer Lebensmittelläden, Pflanzenbefall (v.a. Krautfäule) und in diesem Jahr besonders gravierend: die viel zu niedrigen Kartoffelpreise.

Perspektiven

Gerade mit Blick auf die Marktlage des Kartoffelanbaus besteht dringender Veränderungsbedarf. Dabei gibt es schon Ideen: Eine Möglichkeit ist die Teilnahme an einem Regional-Projekt von Edeka. Eine andere die Anschaffung einer Kartoffel-Schälmaschine. So könnte die Kornkammer geschälte Kartoffeln für die Außerhausverpflegung, in z.B. Schulen und KITAS anbieten. Dazu gibt es auch schon ein passendes Projekt in Dortmund, das sich für regionale Speisepläne in öffentlichen Einrichtungen starkmacht.


Hier könnten auch Kartoffeln verarbeitet werden, die sonst wegen der optischen Standards aussortiert werden müssten. Neben Veränderungen in Anbau und Verarbeitung werden die nächsten Jahre im Zeichen des Hofübergangs stehen. Liedmanns Sohn, Leonard, wird nach Abschluss seiner Gemüsebau-Ausbildung in den Betrieb einsteigen und langfristig die Leitung übernehmen. Im Gespräch mit ihm wird deutlich, dass er viele Ideen für den Hof hat und motiviert ist, gemeinsam mit den anderen Mitarbeitenden das Werk des Kornkammer-Teams lebendig zu halten.

Betriebsspiegel:

  • Pflanzenbau: Viehloser Ackerbau mit Kartoffeln, Getreide (Dinkel, Weizen, Roggen, Haferkerne), Raps, Senf, Mohn
  • Produktionsweise: Bioland
  • Nutzfläche: 280 ha (gepachtet), die 2025/2026 genutzt wird für: Rotklee (14%), Winterweizen (14%), Dinkel (31%) Senf, (3%), Hafer (11%), Kartoffeln (13%) Raps (7%), Roggen (3%) und Blaumohn (4%)
  • Weitere Betriebszweige: Senfmühle, Ölmühle, Getreideanlage, Verpackungsanlage
Kategorien: Aktuell